VSP: Immer für einen Kuhhandel gut?

Der Verband Schweizer Presse (VSP) ist über die «Internet Projekte» der SRG derart verärgert, dass er beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) Beschwerde eingelegt hat. Gleichzeitig fordert er in einer Eingabe das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr und Kommunikation (Uvek) auf, jegliche Begehren auf Gebührenerhöhung abzulehnen, solange «die SRG Millionen von Gebührenfranken für die unzulässige und unnötige Konkurrenzierung der privaten Medienbetriebe missbraucht.»

Besonders erzürnt ist der Verlegerverband über den verbesserten Newsauftritt der «Tagesschau» (s. dazu «<Disclosure> in eigener Sache»), mit dem sich «das Schweizer Fernsehen und damit die halbstaatliche SRG erneut ins Kerngeschäft der privaten Medienunternehmen» einmische.

Man mag dem Zorn der Verleger ja ein gewisses Verständnis entgegenbringen. Nicht ganz einfach nachzuvollziehen ist indes die «Minimalforderung» des Verbandes. Abschliessend heisst es nämlich in der Pressemitteilung (PDF) des VSP:

    «Als Minimalforderung stellen die Verleger die Idee zur Diskussion, privaten Internet-Anbietern den unentgeltlichen Zugang zu SRG-Inhalten für das Streamlining [sic!!] von Filmen, O-Tönen usw. zu ermöglichen, da die Herstellung dieser Inhalte ja schon durch Gebühren, d.h. durch die Allgemeinheit finanziert worden ist.»

Zahlen Tamedia, NZZ-Gruppe, Ringier, Südostschweiz Mediengruppe und all die anderen Medienunternehmen denn auch Empfangsgebühren? Oder muss die «Allgemeinheit», der ich mich übrigens nicht nur als Konzessionszahler zugehörig fühle, nun auch noch die gewinnorientierten Internetangebote der privaten Medienhäuser mitfinanzieren?

Und kann der Medienspiegel künftig dann auch «Tagesschau», «10vor10» und «Kassensturz» anbieten – umgeben von Werbebannern und Skyscrapern, selbstverständlich?

Und könnte der Medienspiegel eigentlich nicht auch einen Anteil an den -zig Millionen Franken beanspruchen, die den Verlegern aus dem Gebührensplitting zufliessen werden? Und könnten der Allgemeinheit dienende Internetangebote – wie z.B. der Medienspiegel – nicht auch von einer indirekten Subventionierung der Transport- bzw. Übertragungskosten profitieren?

Und weshalb gründen wir eigentlich nicht einfach eine Media Schweiz AG? Motto: «Print, Video, Audio – alles aus einer Hand».

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

2 Bemerkungen zu «VSP: Immer für einen Kuhhandel gut?»

  1. indieAner:

    JA. Genau! Und eigentlich sollte man auch Subventionen anfordern können, respektive seinen Anteil am Gebührensplitting einfordern, damit man diese Medieninhalte auch alle konsumieren kann. Denn ein „normal“ arbeitender Mensch, kann ob einer derartigen Informationsflut gar nicht mehr einem geregelten Job nachgehen. Es läuft alles darauf hinaus, dass man vom Staat ca. 2500 Franken pro Monat bekommt um zu überleben, sprich sich zu informieren.

  2. El Burro:

    Diese Forderung hat mich auch amüsiert. Seit wann sind denn die Verleger die Allgemeinheit?

    Bin ausserdem gespannt, ob jene Regional-TVs, die nach neuem RTVG Gebühren kassieren, dann brav nach Verlegerlogik ihre Websites einstellen werden…

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