Print oder Internet – Rache oder Weitsicht?

Andrew Gowers, abtretender oder eher: entlassener Chefredaktor der «Financial Times», hat der Print-Branche im «Evening Standard» die Leviten gelesen (via «MediaGuardian»; registrierungspflichtig):

    «Working in print, pure and simple, is the early 21st century equivalent of running a record company specialising in vinyl»
    «The future lies with the internet, and those newspapers that survive will be those that produce truly original content and learn fastest how to translate it into the all-encompassing, all-singing, all-dancing new medium of the web.»
    «I am focused on what comes next. And I have already all but decided that, whatever it is, it will not involve ink printed on dead trees.»
    «It is of course, quite unlikely that anyone would be foolish enough to ask me to edit a newspaper again. But if they did, the answer would be no.»
von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

8 Bemerkungen zu «Print oder Internet – Rache oder Weitsicht?»

  1. Bobby California:

    Vinyl wurde auch schon oft totgesagt. Doch Vinyl klingt einfach besser, und es sieht viel besser aus (jedenfalls die Hüllen).

  2. Dass immer jemand sagen muss: „Vinyl klingt einfach besser“, und hier sogar: „… wurde schon oft totgesagt“, wenn man Schallplatten als Beispiel bringt für eine ausgestorbene Technologie, ist schon lustig. Genauso wie: „Der Newton wird immer der beste PDA bleiben“, oder „Video 2000 war viel besser als VHS.“ Es gibt Liebhabereien und Fakten. Wenn der Markt entschieden hat, wie auch immer beeinflusst, und die Verteilung der Marktanteile mehr als 95:5 sind, kann man ohne Übertreibung sagen, die eine Seite hat gewonnen.

  3. Bobby California:

    Ausgestorbene Technologie? Niemals! Meine vierzigjährigen Vinylplatten werden noch frisch und knackig klingen, wenn die Wundersilberscheiben vom Lack der Beschriftung zerfressen sind! Nur eine Frage der Zeit!

  4. Oliver Klaffke:

    Die nostalgischen Bemerkung zu Vinyl zeigen eines: Dass hier einige nicht verstanden haben, was die Zeit geschlagen hat. Für gestrigen noch mal zu mitschreiben: 1) die Zeit der Kaufzeitungen ist vorbei 2) die Zeit der Zeitungen auf dem Papier ebenso. Neue Informationsgewohnheiten werden durch neue Darreichungsformen bedient. Und jetzt komme mir nicht irgendeiner mit dem blöden Argument, mit einer Online-Ausgabe könne man keine Fliegen erschlagen.

  5. Tantenneffe:

    Vinyl tönt besser. Und Zeitungen wird es immer geben. Nicht so zahlreich wie heute, hoffentlich auch nicht so unverhohlen anzeigekundenfreundlich.

    Selbstverständlich müssen die Zeitungen, wenn sie denn überleben wollen, auch auf dem Internet präsent sein. Doch wer behauptet, dass in Zukunft kein einziges gedrucktes Blatt mehr konsumiert wird und all die Tramfahrer, Studenten, Zweitverdiener und Rentner nur mehr still auf einem Tablet-PC rumdrücken, um sich die neusten RSS-Feeds anzusehen, verdient es, dass man ihn einen rezyklierten Dotcomträumer nennt.

  6. Bobby California:

    Ich will doch meine Zeitung nicht auf dem Compi lesen. Ich will sie ins Bett nehmen und in die Badi und in den Zug. Und ich will gute Artikel ausreissen, nicht ausdrucken. Und ich will nicht noch rötere Augen bekommen. Ich sitz eh schon den ganzen Tag vor dem Bildschirm.

  7. Max Weber:

    Ein weiteres Problem für die Zeitungen, neben den veränderten Rezeptionsgewohnheiten, wird auch die Finanzierung. Die Wirtschaft möchte einfach nicht mehr für Werbung zahlen, die nicht nachvollziehbar und dazu noch teuer ist.
    Vielleicht möchten wir immernoch in die Badi mit der Zeitung, zahlen aber 100.- für eine Ausgabe…
    hierzu noch http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,385728,00.html

  8. Christoph Burgdorfer:

    Als die gedruckte Zeitung aufkam hiess es auch „Ich will doch die neusten Neuigkeiten nicht auf Papier lesen, ich will doch wie bis anhin auf den Marktplatz mit Bekannten plaudern und dort Neuigkeiten austauschen, tratschen, hoeren, was die Boten zu sagen haben.“ oder „… ich will doch wie bis anhin in die Kirche und dem Pfarrer zuhoeren, was er fuer Neuigkeiten zu berichten. Ehrfuerchtig vor Gott und der Kirche – Zeitung ist dekadent!“

    Die selbe Story wie mit der Dampfmaschine: Alles schlechte Neue wird mal zum guten Alten…

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