Mund-Art

Für mich ist das Wort des Jahres gewählt. Es dürfte sich bereits durch Mundpropaganda verbreitet haben: Es ist die Mund-zu-Mund-Propaganda, und sie nimmt mächtig überhand. Es ist nicht ganz klar, wie man von Mund zu Mund irgendwelche Informationen weitergeben soll. Aber es ist nun mal so, dass vielen unserer schreibenden Kolleginnen und Kollegen die Mundpropaganda einfach zu wenig ist.

Sie leben sprachlich gesehen von der Hand in den Mund. Und dann müssen die Botschaften eben in den Mund rein. Logisch: Unsere Ohren sind von all dem Lärm rundum so verstopft, dass da nichts mehr durchkommt. So haben wir denn an den Informationen aller Art buchstäblich schwer zu schlucken.

Immerhin: Die Abstimmung via Google gewinnt immer noch die Mundpropaganda mit rund 157’000 Erwähnungen, während rund 36’000 Nennungen für die Mund-zu-Mund-Propaganda optieren. Aber wenn man genau hinschaut, sind viele dieser «Mundpropaganda»-Funde auch nur das Ende einer Mund-zu-Mund-Propaganda.

Interessanterweise findet man an erster Stelle immer dieselbe Seite – ob man nun nach Mundpropaganda oder nach Mund-zu-Mund-Propaganda googelt. Und die propagiert «virales Marketing». Das sei Marketing, das sich so effizient wie ein Virus verbreitet. Wie hiess das damals in Bobby Gentrys Hit «I’ll never fall in love again»: «What do you get when you kiss a guy? You get enough germs to catch pneumonia.» Und prompt hustet die gesamte Medienbranche. Werbemails sind offenbar nichts anderes als bunt aufgemachte Computerviren.

Vielleicht doch lieber Mund-zu-Mund-Beatmung. Da wäre die Informationsgesellschaft wenigstens ein bisschen weniger atemlos.

Martin Hauzenberger ist Journalist und Liedermacher.

von Martin Hauzenberger | Kategorie: Mediensatz

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