Kostenpflicht: «New York Times» mit, CNN ohne

Wie an anderer Stelle bereits vermutet (s. hier und hier), wagt die «New York Times» auf dem Internet nun den Schritt zur teilweisen Einführung der Kostenpflicht, wie sie in einer Medienmitteilung bekannt gibt. Leitartikel und Kolumnen sollen ab September 2005 nur noch gegen eine jährliche Gebühr von 49,95 Dollar erhältlich sein.

(Update vom 18. Mai 2005 am Ende des Eintrags.)

Das «TimesSelect» genannte Paket umfasst ferner den Zugang zum Archiv der «Times» sowie die Möglichkeit, Artikel aus einzelnen Ressorts der Printausgabe und des «New York Times Magazine» vor deren «Papier-Publikation» zu lesen. Ebenfalls Teil des Angebots ist der «TimesNewstracker», der bis anhin zum Preis von 29,95 Dollar zu haben war. Print-Abonnenten, die innerhalb des Heimzustellungsgebiets der «New York Times» domiziliert sind, erhalten «TimesSelect» kostenlos.

Alles in allem ein attraktives Angebot. Und wenn man das Paket in erster Linie als cachierte Flatfee für den Zugang zum «Times»-Archiv betrachtet, stellt sich die Frage, ob überhaupt von der Einführung von Kostenpflicht gesprochen werden kann oder ob es sich nicht vielmehr um eine Art Öffnung des Archivs handelt (immerhin wird Printabonnenten ja der freie Zugang ermöglicht).

Steve Outing, Spezialist für Online-Medien beim Poynter Institute, findet das Vorgehen der «New York Times» grundsätzlich einleuchtend. Allerdings bringt er einen auch auf dem Medienspiegel des öftern geäusserten Vorbehalt an (s. z.B. hier, hier oder hier):
«But I beg to differ on the wisdom of including Times columnists‘ work in the TimesSelect paid service. This move will effectively make the likes of Tom Friedman, Maureen Dowd, Frank Rich, and Paul Krugman invisible to the larger Web community, as discussion of their work will dwindle. Dramatically fewer blog, news-aggregator, or search-engine links. That can’t be good.»

Von der Kostenpflicht weg bewegt sich hingegen CNN. Ab dem 20. Juni will der Nachrichtensender seine bis anhin gegen eine monatliche Gebühr von 4,95 Dollar zugänglichen Videoberichte nämlich werbefinanziert und für die User somit unentgeltlich anbieten. Auch die «Los Angeles Times» wendet sich derzeit eher von Online-Abogebühren ab (s. «Noch mehr umsonst»).

Update, 18. Mai 2005: «TimesSelect» ist laut Martin Nisenholtz, Chef der Online-Aktivitäten der New York Times Company, nicht der Anfang zur Einführung einer umfassenden Kostenpflicht: «There were people arguing to put the entire thing in,“ Nisenholtz said. „There were people arguing to put none of it in. … I think we’ve made the decision we’ve made for the foreseeable future», wird Nisenholtz in einer ap-Meldung auf «Editor & Publisher» zitiert.

Und auch Outings Vorbehalt (s. oben) will die «New York Times» möglicherweise entkräften: «Nisenholtz said the Times is considering a revenue-sharing program to give bloggers incentives to keep linking. Saying the idea is still in early discussions, Nisenholtz envisions a way to pay blogs and Web sites every time one of their links prompts a reader to sign up for TimesSelect.»

Interessant auch eine weitere Angabe von Martin Nisenholtz: Gut eine Million Dollar generiert die «New York Times» mit ihrem Archiv auf dem Internet. Nicht gerade viel für ein «truly global newspaper». Wie die Zahlen für die Online-Archive der hiesigen Zeitungswebsites wohl aussehen?! Und ob sich diese vermutlich geringen Summen nicht einfacher über Internet-Werbung generieren liessen?

von Martin Hitz | Kategorie: Sparschwein

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