Die BBC öffnet sich im Internet

«Use our stuff to build your stuff», fordert die BBC unter backstage.bbc.co.uk ihre User seit einigen Tagen auf. Und «The Beeb» scheint es ernst zu meinen. «Build what you want using BBC content», ist etwa die Einstiegsseite des neuen, «BBC Backstage» genannten Dienstes überschrieben.

Entwickler und Website-Betreiber sollen sich der Inhalte der BBC bedienen, diese in ihre eigenen Websites einbinden, anders aufbereiten und zusammenstellen, mit Angeboten Dritter verknüpfen etc. etc. Vor allem sollen aber neue Internet-Anwendungen und -Tools rund um die Bilder und Texte der BBC entstehen. Die Inhalte dürfen nicht verändert werden und sie müssen stets mit einem Quellennachweis versehen sein. Nicht gestattet ist zudem die kommerzielle Verwertung der BBC-Inhalte.

Erstmals scheint es einem traditionellen – allerdings öffentlich-rechtlichen – Medienunternehmen also nicht mehr in erster Linie darum zu gehen, die User an die eigene Website zu binden, um möglichst hohe Zahlen ausweisen zu können. Wichtig scheint es den Verantwortlichen vielmehr zu sein, dass die Surferinnen und Surfer die Inhalte der «Beeb» überhaupt zur Kenntnis nehmen und dass innovative Anwendungen rund um die eigenen Inhalte geschaffen werden.

Markenspezialisten und «Corporate Identikern» dürfte sich der Magen umdrehen. Aber auch so können Inhalte (und damit ein Brand) vermutlich unter das Volk gebracht werden.

Auch des Medienspieglers Verstand ist vorerst noch recht überfordert. Der Bauch sagt ihm indes, dass es sich hier um etwas ziemlich Revolutionäres handeln könnte – Open-Source-Content in Reinkultur, gewissermassen.

==> «BBC Backstage: Frequently Asked Questions»
==> «BBC Backstage: Prototypes»
==> «BBC Backstage: Ideas»

==> «Developers to play with BBC wares» («BBC News»)
==> «BBC gibt seine Nachrichten im Netz frei» («Netzeitung»)
==> «Mach, was du willst» («MedienCity»)

Update, 18. Mai 2005: Unter dem Titel «The Beeb Shall Inherit the Earth» setzt Cory Doctorow in «Wired News» zu einer Lobeshymne auf die BBC an: «America’s entertainment industry is committing slow, spectacular suicide, while one of Europe’s biggest broadcasters — the BBC — is rushing headlong to the future, embracing innovation rather than fighting it. Unlike Hollywood, the BBC is eager and willing to work with a burgeoning group of content providers whose interests are aligned with its own: its audience.»

von Martin Hitz

4 Bemerkungen zu «Die BBC öffnet sich im Internet»

  1. christa:

    Das ist doch mal ein echter “service public”, find’ i guet!

  2. Nick:

    Bei der SRG gibt es offenbar auch Abklärungen, ob ein Teil der Archivbestände unter einer Creative Commons Lizenz der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. SRG-Juristin Dominique Diserens hat an der Veranstaltung «Digitalisierung und Urheberrecht» vom 21.4.2005 in Bern entsprechende Hinweise geliefert. Es gehe nicht in erster Linie darum, mit den Archiven Geld zu verdienen, sondern um das Wahrnehmen einer historischen Verantwortung, so Diserens. Dabei hat die Juristin explizit BBC als Vorbild genannt.
    Herr Hitz, wissen Sie da Genaueres?

  3. Danke für die Information. Aber nein, lieber Herr Lüthi, ich kann Ihnen dazu auch nicht mehr sagen.

  4. ulp:

    Spiegel entdeckt “BBC Backstage”

    Auch Spiegel Online hat unterdessen entdeckt, dass die britische BBC mit “BBC Backstage” einen zukunftsträchtigen Schritt wagt: Inhalte stehen frei zur Verfügung. Leider nicht ganz richtig recherchiert.

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