Die Pläne von SF DRS für ein – je nach Lesart – führendes bzw. kleines Newsportal sorgen weiter für Gesprächsstoff.
Auf «persoenlich.com» äussern sich Repräsentanten von Verlagen sowie Vertreter von Parteien zum Thema. Fazit des Branchenportals:
«Gefordert wird, dass sich das Schweizer Fernsehen auf sein Kerngeschäft konzentriere. Einzig die Linke plädiert für eine volle Ausschöpfung des neuen Mediums. Damit dürfte bei der Behandlung des Entwurfs des neuen RTVGs im Ständerat für Kontroversen gesorgt sein. »
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In der Samstagsausgabe der «NZZ» versucht SRG-Generaldirektor Armin Walpen in einem Interview die Bedenken der Verleger zu entkräften (da die Links auf «NZZ»-Artikel nur noch einen Tag gültig sind [s. hier], muss nun halt vermehrt zitiert werden):
Walpen: «Die Verlage sind ja primär im Bereich des Textes tätig. Natürlich wird man bei uns auch irgendwo Texte zeigen. Aber ich glaube, wir müssen uns in Zukunft vermehrt auf das konzentrieren, was wir wirklich können und auch haben, nämlich auf den Ton und das bewegte Bild. Ich wiederhole: Wir verfolgen keine kommerziellen Absichten, und ich bin bereit, hier auch keine weiteren Schritte zu unternehmen. Es gehört aber auch zu unserem Service-public-Auftrag, einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Informationskluft nicht noch grösser wird. Ich glaube, wir sind hier in einer ähnlichen Diskussion wie beim Aufkommen des Fernsehens. Das wurde damals von den Verlagen auch als eine starke Konkurrenz angesehen, und es war unbestritten eine starke Konkurrenz. Die Entwicklung hat sich dann teilweise als eine Ausdifferenzierung erwiesen. Wenn man nun die SRG von vornherein darauf beschränkt, im klassischen Radio oder im klassischen Fernsehen tätig zu sein, so glaube ich, werden wir innert einer bestimmten Zeit wahrscheinlich zur völligen Bedeutungslosigkeit mutieren. »
In einem «NZZ»-Leitartikel wagt Rainer «ras.» Stadler dem zu widersprechen:
«Zu klären ist die Rolle der SRG. So formulierte SF DRS im vergangenen Jahr das strategische Ziel, im Bereich Internet die führende Rolle als Informationsanbieter einzunehmen. Damit tritt die SRG-Tochter in direkte Konkurrenz zu den Websites der Verleger. Diese müssen allerdings ihre Aktivitäten aus dem Markt finanzieren, während die SRG dank den Gebührengeldern auf grosse Ressourcen zurückgreifen kann. Was das bedeutet, zeigt ein Blick auf die Westschweiz, wo die SRG-Tochter TSR bereits eine starke Informations-Site mit aktuellen Radio-, Fernseh- und Textbeiträgen aufgebaut hat. Eine Internet-Tabelle mit den Werbetarifen beweist, dass man entschlossen ist, auch auf dem Werbemarkt aufzutreten und Geld auf sich zu ziehen. Dies alles nach der bekannten Devise: Möglichst schnell viel Terrain besetzen. Das Nachsehen haben die Verleger, die nicht mit der Sicherheit öffentlicher Gelder im Internet operieren können. Das Vorgehen der TSR ist ziemlich unverfroren und kontrastiert mit den Westschweizer Klagen über knappe Geldmittel und die erdrückende Konkurrenz aus Frankreich. Die grosszügigen Internet-Investitionen sind eher ein Indiz dafür, dass zu viel Geld zur Verfügung steht.
In diesem Sinne können wir nicht die Meinung von Generaldirektor Armin Walpen teilen, der im NZZ-Interview in dieser Ausgabe sagt, die SRG agiere vorsichtig im Internet und verfolge keine kommerziellen Absichten. Mag sein, dass er seine eigenmächtig handelnden Direktoren und Abteilungsleiter in den einzelnen Regionen zur Mässigung aufgerufen hat. Doch Skepsis bleibt. Dies auch deshalb, weil die SRG weitere «stille Reserven» fürs Internet aktivieren kann. Gemeint sind damit der Teletext und Swissinfo, das aus Schweizer Radio International hervorgegangen ist. Seit der Umlagerung des Auslandradios ins Internet ist nicht mehr klar ersichtlich, inwieweit sich Swissinfo noch ans internationale Publikum und die Auslandschweizer richtet. Aus Effizienzgründen wird die SRG ihre Internet- Aktivitäten ohnehin konzentrieren, woraus sich erhebliche Synergien ergeben. Den Verlegern droht eine massive, staatlich gestützte Konkurrenz, was einer weiteren Wettbewerbsverzerrung gleichkommt. Bereits im Fernsehbereich spielt die SRG eine übermächtige Rolle.»
Wo habe ich denn das schon gehört?
Genau: In Deutschland lief bzw. läuft die exakt gleiche Diskussion mit den exakt gleichen Dokumenten schon bezüglich der Internetaktivitäten von Staatssendern ARD und ZDF.
Die Streitigkeiten dauern dort schon seit Jahren an und letzthin haben die Privatsender sich wegen dieser Thematik sogar schon an die EU-Wettbewerbsrechts-Kommission gewandt.