Maulbrüter (4)*

Darf er denn? Soll er nun? Fremdgehen sozusagen und über die Reviergrenze wildern? «Maulbrüter können in vielfältig strömende Lebensbereiche vordringen», weiss eine Forschergruppe zu berichten, IGL-Arbeitsgruppe «Maulbrütender Betta» mit Namen. Und wirklich juckt’s den Ausnahmefisch, sich im Gesellschaftsbecken säuisch zu freun: denn in einem überaus dicht bestandenen und populären Gebiet (mit ganzjährig weichem Wasser) hat sich Aufschlussreiches erwiesen. Der Maulbrüter also verlässt für einmal seinen verkrauteten Lebensbereich und schwimmt ungeschützt ins Freie. Er mag sich neue Freunde machen mit viel Spott und noch mehr Häme.

Kinder, die viel fernsehen, werden häufiger kurzsichtig, meldet das deutsche Apothekermagazin «Diabetiker Ratgeber». Zwar dürften bei der Entwicklung von Kurzsichtigkeit auch die Gene eine Rolle spielen, doch nach Beobachtungen australischer Wissenschafter soll der Einfluss der Lebensweise sehr viel entscheidender sein. Kommt dazu: Kinder, die abends fernsehen sind öfters frühreif. Das ergab eine Studie an der Universität Florenz. Der Grund dafür, so berichtet das Gesundheitsmagazin «Apotheken Umschau», liegt in der erniedrigten Melatonin-Produktion. Niedrige Werte dieses Hormons sollen dafür sorgen, dass die Pubertät früher einsetzt; künstliche Lichtquellen, zum Beispiel von Fernsehgeräten (oder Computern) bremsen die Melatoninausschüttung.

Fernsehen macht also nicht nur dumm, sondern sogar kurzsichtig. Der Maulbrüter stellt sich die anschwellenden Schwärme dieser zu schnell geschlüpften, Brillentragenden Fernsehfische vor und wird vor Freude kribbelig: hier wächst Futter heran! Die schwärmende TV-Brut, schlecht sozialisiert, halbblind, ist auf dem Nahrungsmarkt herzlich willkommen.

Insbesondere beim jüngst entdeckten Goldstirn-Maulbrüter (Nimbochromis venustus ) – eine Sorte mit grosser Zukunft. Die Heimat dieser schönen Fischart ist der Malawisee, was alleine wenig besagt, käme nicht dazu, dass sich der Goldstirnige in jedem Aquarium Respekt verschafft. Der endemische Cichlide ist tollbunt und soll sich selbst bei artungerechter Haltung in allen möglichen Lebensräumen durchsetzen. Indes leuchtet er besonders goldig, wenn er in einem möglichst grosszügigen Aquarium gehalten wird, wo viele Verstecke zur Verfügung stehen sowie eine strukturierte Möblierung (Stichwort Einzelbüros, im Idealfall mit USM-Haller-Mobiliar). Erst dann wird der Maulheld Reviergrenzen bilden und sich voll entfalten können. Für Talente-Züchter sei bei Nimbochromis venustus empfohlen, sich eine kleine Gruppe Jungfische anzuschaffen, die von klein an ihren Platz im Aquarium finden werden. Achtung: Keine anderen Buntbarsche dazusetzen! Nehmen Sie besser einen Wels als Gesellschafter. Er ist ein Speisefisch und verzichtet bei Rezession auf jedwede Nahrung.

Daniele Muscionico ist Journalistin bei der «NZZ» und Trägerin des Zürcher Journalistenpreises 2004.

* Siehe auch «Maulbrüter (1)», «Maulbrüter (2)» und «Maulbrüter (3)».

von Daniele Muscionico | Kategorie: Mediensatz

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