Vor einigen Tagen ist an dieser Stelle bereits auf die doch recht bescheidenen Auflagezahlen der digitalen Ausgaben amerikanischer Zeitungen hingewiesen worden:
«New York Times»: 3’172 Exemplare (0,26% der Printauflage)
«USA Today»: 900 (0,05%)
«Washington Post: 424 (0,06%).
So überrascht es doch ein wenig, wenn NZZ-Verlagsleiter Tobias Trevisan in der letztwöchigen Ausgabe der «Werbewoche» verkündet, dass NZZ Global, die digitale Ausgabe der «Neuen Zürcher Zeitung», «bereits 2’000 zahlende Leser gewinnen konnte».
Man glaubt zunächst an einen Verschreiber, entspricht dies doch 1,26% der Printauflage der «NZZ». Auf Anfrage bestätigt Trevisan jedoch diese Angaben. 1’300 Printabonnenten hätten für Fr. 89.- ein digitales Zusatzabo gelöst, und 700 Abos hätten zum Preis von FR. 398.- an Nicht-Printabonnenten verkauft werden können.
Eine Erklärung für diesen im Vergleich zu den amerikanischen Produkten beachtlichen Erfolg dürfte in der grösseren Verfügbarkeit der US-Zeitungen zu suchen sein; «USA Today» kann ja zum Beispiel an beinahe jedem Flughafen dieser Welt erworben werden. Oder ist vielleicht die Leserbindung bei der «NZZ» einfach stärker?
Bei Tamedia will man zur digitalen Ausgabe des «Tages-Anzeigers», dem e-Tages-Anzeiger, keine Zahlen bekannt geben. Dem zuständigen Leiter Interaktive Medien, Marcel Sennhauser, ist lediglich zu entlocken, dass die Prozentwerte mit den amerikanischen Zahlen vergleichbar sind.
Angaben zur digitalen Ausgabe des «Blicks», dem e-Blick, waren für diesen kurzen Überblick bis heute nicht zu beschaffen. Ringier überlegt sich seit mehreren Tagen, ob eine entsprechende Anfrage des Medienspiegels überhaupt beantwortet werden soll …
Als «Auflagenbolzer» werden sich die digitalen Faksimiles wohl kaum je erweisen. Zu umständlich ist deren Nutzung, und mit Ausnahme des Übertragungsprotokolls machen sie von den Vorzügen des Internets bzw. des World Wide Webs überhaupt keinen Gebrauch (s. dazu «In geschlossenen Räumen kann man ersticken»).