Good News für journalistische Standards

Die Schweizer Medienwelt ist entrüstet. Dies, nachdem der Konzertveranstalter Good News die Redaktionen in einem unzimperlichen Rundschreiben darüber informiert hat, nur noch diejenigen Medien zu akkreditieren, die Good News «im Vorfeld der Konzerte [mit Vorschauen] unterstützen». In einem Artikel der «Aargauer Zeitung» vom Samstag, 20. März (online nicht mehr auffindbar), liess sich gar «NZZ»-Chefredaktor Hugo Bütler zum Thema zitieren: Dies sei ein «unakzeptabler Versuch, die traditionelle Konzertbesprechung auszuschalten und durch wohlwollende Vorschauen zu ersetzen».

Aber wer sagt denn das? Wer zwingt denn die Redaktionen, sich akkreditieren zu lassen? Könnte man nicht wie jeder andere Bürger auch Tickets einfach kaufen? Würde man sich da vielleicht nicht gar noch etwas unabhängiger fühlen?

Die «Washington Post» untersagt ihren Mitarbeitern zum Beispiel jegliche Annahme von Einladungen. Unter dem Titel «We pay our own way» heisst es im Ethik-Kodex der Zeitung:
«We accept no gifts from news sources. We accept no free trips. We neither seek nor accept preferential treatment that might be rendered because of the positions we hold. Exceptions to the no-gift rule are few and obvious – invitations to meals, for example. Free admissions to any event that is not free to the public are prohibited. The only exception is for seats not sold to the public, as in a press box. Whenever possible, arrangements will be made to pay for such seats.»

Vielleicht sollte in der Schweiz auch wieder einmal über dieses Thema nachgedacht werden. Das dumme Vorgehen von Good News könnte dann good news für die Einhaltung journalistischer Standards bedeuten.

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

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