Die «NZZ» holt ihre Inlandkorrespondenten heim

Und wo kommen wir denn hin, wenn nur noch Feuilleton-Chef René Scheu das Ohr nahe am Volk hat?

Siehe dazu auch:
Ein Hors-sol-Chefredaktor für die NZZ-Regionalmedien

Update, 26. November 2016:
Kein Zürcher Blick mehr in Basel (David Sieber, «bz Basel»)

von Martin Hitz | Bemerkungen (0)

Magerkur bei der NZZ-Mediengruppe

‹sarkasmus›

Am 2. März 2016 wurde «NZZ Campus», das Studentenmagazin aus dem Hause NZZ, «in frischem Design, mit neuen Rubriken und Autoren» neu lanciert. Steven Neubauer, Geschäftsführer NZZ Medien, in der damaligen Pressemitteilung:

«Wer Zugang zu künftig konsumstarken und karriereorientierten Kundenkreisen sucht, kommt an ‹NZZ Campus› nicht vorbei».

Offenbar schon, wurde am 27. Oktober 2016 doch die Einstellung der «Plattform für Studierende und Hochschulabsolventen» bekanntgegeben. Derselbe Steven Neubauer dazu:

«Das Magazin hatte im Werbemarkt nicht den gewünschten Erfolg. Zudem blieb der Transfer von ‹NZZ Campus› zur ‹Neuen Zürcher Zeitung› und zur ‹NZZ am Sonntag› hinter den Erwartungen. Um Studierende und junge Leserinnen und Leser an unsere journalistischen Kernprodukte heranzuführen, müssen wir andere Formate entwickeln.»

Ein MBA dürfte der einen oder anderen Führungskraft an der Falkenstrasse vermutlich nicht schaden. Oh!

Da MBAs, Filmfestivals und andere Steckenpferde aber schliesslich auch finanziert sein wollen, ist ab und an der Verkauf von etwas Tafelsilber angesagt (für weitere Hobbies gibt’s dann ja immer noch die eine oder andere Immobilie). Und so hat sich die NZZ-Mediengruppe gestern folgerichtig von der Diät-Plattform «eBalance» getrennt, zumindest bis vor kurzem dem Vernehmen nach einer der wenigen Geldbringer im digitalen Bereich (Medienmitteilung).

‹/sarkasmus›

von Martin Hitz | Bemerkungen (2)

Nachgeholt: Tamedia baut weiter ab

Die Tamedia-Sparwelle bewegt sich von Westen allmählich Richtung Osten. Nach «24 heures» und «Tribune de Genève» (s. hier) ist nun die «Berner Zeitung» an der Reihe, die ihren Personalbestand um 3,4 Vollzeitstellen reduzieren muss; fünf Kündigungen sind die Folge. Vorgesehen sind ferner «freiwillige Pensenreduktionen, die Neuverhandlung von Agenturverträgen, die Reduktion von Spesen oder die Verschlankung von Produktionsabläufen», wie Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer vor rund zehn Tagen gegenüber «persoenlich.com» verlauten liess.

Auch noch weiter östlich, nämlich beim «Tages-Anzeiger» und bei der «Sonntagzeitung», soll das Redaktionsbudget gekürzt werden, und zwar um 12 Prozent, wie die Konkurrentin «Schweiz am Sonntag» zu wissen glaubt (via «persoenlich.com»). Dies soll unter anderem über eine «umfassend ausgebaute Kooperation mit der ‹Süddeutschen Zeitung›» erreicht werden. Gegen eine jährliche Pauschale von «deutlich über einer Million Franken» sollen sich die Tamedia-Flaggschiffe künftig à discrétion am Inhaltstopf des Münchner Blatts bedienen können, was vor allem die Auslandressorts der beiden Zeitungen treffen dürfte.

von Martin Hitz | Bemerkungen (0)

Und noch einmal: «Native Advertising» machen wir nicht

Klickt man auf nzz.ch auf untenstehende «Anzeige», …
NZZ_Native1

… erscheint der folgende, nicht als Werbung deklarierte Artikel aus der «NZZ am Sonntag»:
NZZ_Native2
(Zum Vergrössern anklicken)

Nein, «Native Advertising» machen sie nicht bei der «NZZ», sie nennen es «Branded Content».

Update:

von Martin Hitz | Bemerkungen (1)

«Schleier tragen gegen Geld»

Der Titel dieses Eintrags ist gestohlen, «NZZ»-Medienredaktor Rainer Stadler hat ihn erfunden − und zwar für die «NZZ» vom 17. November 2009: Er, der Titel, hat indes nichts an Aktualität eingebüsst. «Schleier tragen gegen Geld» tat am vergangenen Samstag nämlich auch Stadlers − so nehmen wir an − Leibblatt, und zwar mit einer Anzeige für ein neues Porsche-Modell.

«NZZ»-Frontseite vom 8. Oktober 2016:
NZZ_verschleiert

Es folgte am Tag darauf eine Porsche-Prospektbeilage in der «NZZ am Sonntag», und auch das «Stil»-Magazin des Sonntagsblatts liess sich nicht lumpen und trat sein ganzes Cover ebenfalls an einen Werbekunden (Stilhaus) ab.

Von «verkaufter Seele» war darauf verschiedenenorts die Rede − zu hochgegriffen bzw. zu komplex für mich. Wie ist es aber um den Stolz der «NZZ»-Redaktion bestellt − Stolz im Sinne von

«Gefühl einer großen Zufriedenheit mit sich selbst oder anderen, einer Hochachtung seiner selbst – sei es der eigenen Person, sei es in ihrem Zusammenhang mit einem hoch geachteten bzw. verehrten ‹Ganzen›» (Wikipedia)?

Gibt’s das überhaupt noch an der Falkenstrasse? Es ist ja noch nicht allzu lange her, dass bei der «NZZ» das Primat der Publizistik hochgehalten wurde. Inzwischen schreibt Chefredaktor Guyer zwar missionarisch gegen die Gesichtsverhüllung von Musliminnen an, die Verschleierung des eigenen Qualitätsblatts scheint ihn und seine Mannen jedoch nicht zu kümmern.

Wie könnte sich das alles eigentlich noch steigern lassen (Native Advertising machen wir ja nicht)? Und wie wirken sich solche Tabubrüche wohl auf junge Journalistinnen und Journalisten aus?

Siehe dazu auch:

von Martin Hitz | Bemerkungen (2)

Sie nennen es «Branded Content»

Nun betreibt die NZZ-Mediengruppe also auch noch ein «Lifestyle-Portal». «NZZ Bellevue» soll der «digitale Begleiter» für all jene sein,

«die sich gerne mit Schönem umgeben. Die neue Plattform bietet Inspiration, gut recherchierte und crossmedial verknüpfte Inhalte sowie kunstvoll inszenierte Bilder.» (Medienmitteilung)

Inspirierend, gut recherchiert und crossmedial verknüpft ist auf «NZZ Bellevue» offenbar auch die Werbung. «In eigener Sache» heisst es dazu:

«Bei Artikeln, die die Kennzeichnung ‹sponsored content› haben, handelt es sich um sogenannten Branded Content. Diese besondere Online-Werbeform passt sich gestalterisch der Plattform an, auf der sie ausgespielt wird. Auf einem Portal wie NZZ Bellevue erscheint Branded Content als Artikel, der qualitativ hohen Anforderungen genügen und einen klaren Nutzwert stiften muss. […] Für unsere Leserinnen und Lesern ist Branded Content eine Werbeform, die nicht stört und aufgrund des Nutzwerts des Inhaltes und der hohen Qualität zum Journalismus der NZZ passt. Für Werbetreibende ist Branded Content eine glaubwürdige Werbeform mit hohem Nutzwert, die eine längere Interaktion mit der Zielgruppe ermöglicht.»

Das «Native Advertising» Der «Branded Content» wird dabei von «erfahrenen Redaktoren im Stil der NZZ erstellt», ist dazu auf der Website von audienzz, der digitalen Werbevermarktungsfirma der NZZ-Mediengruppe, zu lesen. Und weiter:

«Zum Branded-Content-Team der NZZ Media Solutions gehören zudem Designer und Multimedia-Produzenten, die den hohen Ansprüchen der ‹NZZ Bellevue›-Redaktion entsprechen. So stellen wir sicher, dass Ihre Marke und Ihre Botschaften harmonisch in die Welt von ‹NZZ Bellevue› integriert werden.»

Selbstverständlich soll aber auch auf «NZZ Bellevue» eine «klare Trennung von Werbung und Redaktion» eingehalten werden:

«Branded Content darf und wird unsere Leserinnen und Leser nicht täuschen. Daher ist Branded Content in allen NZZ Medien wie folgt gekennzeichnet:

  • Der Artikel-Teaser ist gekennzeichnet als «sponsored content».
  • Im Abbinder steht «im Auftrag von ‹Name des Kunden›».
  • Branded Content ist mit einem Flag speziell gekennzeichnet.

Vor allem aber:

  • «Branded Content hat eine eigene URL-Struktur.»

Dann ist ja alles gut.

Übrigens: Wie sagte doch NZZ-CEO Veit Dengler in einem Interview mit der «Medienwoche» so schön:

«Ich finde zudem Quartz sehr hübsch, abgesehen vom Native Advertising. Das würde bei uns nicht funktionieren. […] Das Wort ‹native› impliziert ja, dass die Werbung aussieht wie ein Artikel. Damit trickst man ja die Leser aus. Das machen wir nicht.»

So so.

Siehe dazu auch:
Native Advertising «machen wir nicht» – Wirklich, NZZ-CEO Veit Dengler?
Sweet Native Advertising auf Tagesanzeiger.ch
Geballte Ladung Native-Advertising bei Tamedia
Eine Frage der Glaubwürdigkeit
Native Advertising
«Buzzfeed» − Journalism is not dead, it just smells funny
Der flexible Publizist − Das «Forbes»-Geschäftsmodell

von Martin Hitz | Bemerkungen (4)

Neue Stellenabbaurunde eingeläutet?

Nachdem die AZ Medien mit dem vor rund zwei Wochen angekündigten Abbau von 26 Stellen, davon 6 durch Kündigung, allem Anschein nach das Eis gebrochen haben, wagt sich nun auch Tamedia aus der Deckung hervor und gibt für die Westschweizer Zeitungen «24 heures» und «Tribune de Genève» eine Reduktion von 24 Redaktionsstellen bekannt (Medienmitteilung).

Tamedia-QualitätsmanagerSprecher Peter Staub dazu:

Auch bei der «NZZ» sind übrigens (Stellen-)Bereinigungen im Gange, wie der «Klein Report» vor einigen Tagen berichtete. Und bei Ringier Romandie dürften laut «Le Courrier» im gemeinsamen Newsroom von «Le Temps» und «L’Hebdo» rund zehn Stellen verlorengehen.

Update:

Update, 3. Oktober 2016: Im Detail sieht der Stellenabbau bei Tamedia Romandie gemäss «Klein Report» wie folgt aus:

«[…] insgesamt 31 Stellen werden in der Westschweiz gestrichen oder nicht neu besetzt. […] Bei ‹24 heures› wurden insgesamt 16 Kündigungen ausgesprochen, bei der ‹Tribune de Genève› waren es weitere acht Kündigungen. ‹Bei der ‚Tribune de Genève‘ werden zudem zwei offene Stellen nicht neu besetzt und fünf Mitarbeitende werden pensioniert›, zählt Patrick Matthey, Kommunikationsverantwortlicher bei Tamedia, für den Klein Report zusammen.»

Update, 21. Oktober 2016:

«Die Redaktionen der Westschweizer Tageszeitungen ‹24 heures› und ‹Tribune de Genève› haben der mit Tamedia ausgehandelten Einigung über die Begleitmassnahmen bei den geplanten Kündigungen zugestimmt. syndicom begrüsst zwar, dass anstatt 24 ‹nur› noch 20 Kündigungen ausgesprochen und die Entschädigungen erhöht werden. Der Angriff auf die Qualität und Vielfalt der Presse durch eine Mediengruppe, der es finanziell ausgesprochen gut geht, bleibt aber ein Problem.» (Medienmitteilung Syndicom)

Update, 15. November 2016:

«Wie Tamedia und der Verband der Schweizer Journalistinnen und Journalisten Impressum am Dienstag mitteilten, ist es im Rahmen dieses Verhandlungskonzeptes nun gelungen, die ursprüngliche Zahl der Entlassungen von 24 auf zwölf zu halbieren. Ein mit Tamedia ausgehandelter Sozialfonds wird den betroffenen Journalisten zudem bei der beruflichen Neuorientierung helfen.» (SDA via «persoenlich.com»)

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Highlights des SwissMediaForum 2016

Tamedia-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino ist nun auch offiziell Präsident des Verbands Schweizer (Ta)medien. Besagter Verband will die Verhandlungen um einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) mit den Arbeitnehmervertretern wieder aufnehmen. Und die vor weniger als einem Monat angekündigte Streichung der Beiträge an den Presserat war nicht wirklich ernst gemeint.

Dies die Highlights des diesjährigen SwissMediaForums (cum Verlegerkongress) in Luzern.

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Schweizer Medienqualitätsrating 2016

«Echo der Zeit», «Neue Zürcher Zeitung», «NZZ am Sonntag» und 20minuten.ch: So heissen die Sieger des ersten Schweizer Medienqualitätsratings (MQR) (ganzer Bericht als PDF), das den Medien am Montag im Neubau des Landesmuseums präsentiert wurde − an einer erstaunlich mässig besuchten Medienorientierung, notabene, was angesichts des bestens vernetzten Vorstands des herausgebenden Stiftervereins Medienqualität Schweiz (Sylvia Egli von Matt, Andreas Durisch, Bruno Gehrig, Markus Notter, Tobias Trevisan) doch eher erstaunt. Irrtum vorbehalten, war beispielsweise kein einziger Vertreter eines Mediums aus dem Hause Tamedia anwesend, obwohl dem Vernehmen nach mindestens sechs Redaktionsmitglieder eine persönliche Einladung erhalten hatten.

Tamedia gehört neben Ringier, Basler Zeitung Medien und AZ Mediengruppe übrigens auch zu jenen Verlagen, die − unter der Führung des Verbands Schweizer Medien − den ursprünglich vorgesehenen dritten Teil des Qualitätsratings, nämlich die Analyse der organisationsinternen Qualitätssicherungsprozesse, verhindert haben, indem sie dem Institut für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW keinen Einblick in die internen Qualitätssicherungsmassnahmen gewähren wollten (Nick Lüthi hat das ganze Theater für die «Medienwoche» schön zusammengefasst: Verlegerverband bremst Medienrating).

Aber lassen wir die Kindereien und wenden wir uns dem Ranking zu, das nun vorerst halt auf zwei statt auf drei «Modulen» beruht, nämlich auf einer vom Jahrbuch «Qualität der Medien» her bekannten Inhaltsanalyse zur Eruierung der Berichterstattungsqualität einerseits und auf einer Befragung des Publikums zur Wahrnehmung der Qualität der Medien andererseits − ergänzt durch Interviews mit Medienexperten (Details zum methodischen Vorgehen).
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Sweet Native Advertising auf Tagesanzeiger.ch

Unter dem Titel «sweet home» wird auf der Website des «Tages-Anzeigers» ja eifrig lifestylegebloggt − heute zum Beispiel zu Rezepten für «Gerichte, die in der Pfanne serviert werden». Und da man für Gerichte, die in der Pfanne serviert werden, auch eine Pfanne braucht, wird am Ende des Blogeintrags gleich auch noch eine solche angepriesen:
sweet-home_Pfanne

Und als ob das nicht genug wäre, folgt auch noch der Hinweis auf ein «Neues Food-Magazin», das «jeweils der regionalen Sonntagspresse bei[liegt]» und von Manor Food herausgegeben wird, das laut Tagesanzeiger.ch zu den «wichtigsten Lebensmittelgeschäften der Schweiz» gehört. Und weiter:

«Die sympathischen Geschäfte wirken ein wenig wie mediterrane Markthallen. Sie bieten nicht nur eine grosse Auswahl an Hausgemachtem und Regionalem, sondern auch Fisch, Fleisch, Käse, Gemüse und Früchte von ausgewählten Produzenten aus dem In- und Ausland.»

Native Advertising? Vermutlich schon – eine entsprechende Deklaration sucht man jedoch vergebens (oder habe ich etwas übersehen?).

von Martin Hitz | Bemerkungen (0)