Päuschen

Wenn’s selbst die 90-jährige Mutter (neu mit iPad) merkt: Ja, der Blogwart des Medienspiegels legt eine Art Sabbatical ein (gilt nicht für Twitter) − wohlverdient, wie ich meine. Nach dem Sommer geht’s (hoffentlich) weiter.

Die «Mediensatz»-Kolumnisten werden derweil (wiederum hoffentlich) unermüdlich weiterwirken.

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NZZ-GV: Viel Lärm … und alles bleibt beim alten

Etienne Jornod bleibt Verwaltungsratspräsident der AG für die Neue Zürcher Zeitung und muss sich − entgegen dem Wunsch der «Freunde der NZZ» − wie seine anderen VR-Kolleginnen und Kollegen weiterhin nur alle vier Jahre einer Wiederwahl stellen − ungeachtet des Somm-Debakels und trotz Schliessung der Druckerei in Schlieren. Dies das Ergebnis der offenbar recht lebhaften NZZ-Generalversammlung vom vergangenen Samstag.

Ohne Wirkung blieb übrigens auch das von ehemaligen «NZZ»-Mitarbeitern verfasste Flugblatt (PDF), das die Aktionäre zur Abwahl der Führung des Unternehmens aufforderte:

«Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

Nehmen Sie Ihre Verantwortung als Besitzerinnen und Besitzer der NZZ wahr. Verwaltungsrat und Unternehmensleitung verdienen Ihr Vertrauen nicht mehr. Diese Organe haben das einstige Flaggschiff der Schweizer Presse in eine Krise geführt, es der Lächerlichkeit preisgegeben und unverantwortbaren Risiken ausgesetzt . Verweigern Sie den beiden Führungsgremien die Entlastung, verhindern Sie die Wiederwahl des VR-Präsidenten, fordern Sie eine ausserordentliche GV und beauftragen Sie einen neuen Verwaltungsrat, dem CEO für dessen Verdienste zu danken und ihm eine politische Laufbahn in seiner Heimat zu ermöglichen. Die NZZ kann sich eine solche Führung nicht länger erlauben. »

Auch die kritischen Voten der «NZZ»-Urgesteine Reinhard Meier und Max Frenkel vermochten am Status quo nichts zu ändern:

Alles bleibt, wie es ist.

Siehe dazu auch:

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Eric Gujer ist neuer Chefredaktor der «NZZ»

Nun hat es also doch noch geklappt: Eric Gujer, seit 2013 Ressortleiter «Ausland» und seit fast 30 Jahren für das Haus tätig, amtet per sofort als Chefredaktor der «Neuen Zücher Zeitung» (Medienmitteilung). Gleichzeitig wird «NZZ am Sonntag»-Chefredaktor Felix E. Müller in die Geschäftsleitung der NZZ befördert, wo er künftig auch für alle Magazine und Periodika verantwortlich ist.

Zur Ménage-à-trois ergänzt wird das Chefredaktionsduo durch die 35-jährige Österreicherin Anita Zielina, kurzzeitig stellvertretende Chefredaktorin Print/Online des österreichischen «Standard» und noch kurzzeitiger Leiterin von Stern.de, die im Mai die Position einer «Chefredaktorin neue Produkte» übernehmen wird.

Alle drei müssen sie absolut herausragende Persönlichkeiten sein. So wird Gujer in der Medienmitteilung als «intellektueller Leuchtturm, dessen Strahlkraft weit über die Landesgrenzen der Schweiz hinausreicht» und als einer der «bedeutendsten Journalisten und Intellektuellen der Schweiz» bezeichnet. Müller zählt laut NZZ-VR-Präsident Etienne Jornod zu den «profiliertesten Journalisten der Schweiz», Zielina zu den «führenden Online-Journalistinnen und Digital-Expertinnen im deutschsprachigen Raum».

Man fragt sich, weshalb der reputationsschädigende Umweg über Markus Somm bei so viel Genialität überhaupt nötig war. (Gujer soll vom Verwaltungsrat übrigens einstimmig gewählt worden sein.)

Zu möglichen Änderungen in der publizistischen Ausrichtung sagte Neu-Chefredaktor Gujer gegenüber Radio SRF:

«[Die NZZ] kann sicherlich auch noch ihr Profil – gerade bei Kommentaren – schärfen und bei manchen Fragen deutlicher Stellung nehmen als in der Vergangenheit.»

Und in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» meinte er:

«Wir sind ordoliberal. Sie könnten auch neoliberal sagen. Diese Etiketten treffen zu.»

Siehe auch:

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Kurt Imhof ist tot

«Der Zürcher Soziologieprofessor Kurt Imhof ist am Sonntagmorgen 59-jährig in Zürich gestorben.» («NZZ»)

Er wird uns fehlen. Ich bin sehr traurig.

Hier einige seiner Wortmeldungen auf dem Medienspiegel.

Und:

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Nachgeholt: Tamedia geht auf tutti

Vor Wochenfrist die Übernahme der Auktionsplattform Ricardo.ch zum Preis von 240 Millionen Franken (Medienmitteilung), nur wenige Tage später der Erwerb der noch nicht zum Konzern gehörenden 50 Prozent der Anzeigen-Websites Tutti.ch und Car4you.ch für (maximal) 27,5 Millionen Franken (Medienmitteilung): Tamedia kauft sich das Kleinanzeigengeschäft zurück.

Auch Ringier lässt sich den Einstieg in den Rubrikenmarkt offenbar viel kosten. Rund 830 Millionen Franken sollen die beiden Verlage, die einmal als Partner und einmal als Konkurrenten auftreten, gemäss «NZZ» in den vergangenen zweieinhalb Jahren in Auto-, Immobilien und Stellenplattformen investiert haben.

Das tönt gegenwärtig zwar nicht mehr nach sehr viel, ist aber doch noch ein ordentlicher Batzen, vor allem wenn man bedenkt, dass Craigslist, Google, Ebay und Konsorten «just a mousecklick away» sind.

Erinnert sich eigentlich noch jemand an Swissclick?

Siehe auch:

- Teurer Kampf um digitale Kleinanzeigen (Rainer Stadler, «NZZ»)

- Ricardo-Übernahme heizt Wettbewerb an (Marc Iseli, «Handelszeitung»)

- Tamedia gewinnt das Rennen um Ricardo (Christoph G. Schmutz, «NZZ»)

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Man rechne!

Aus der «NZZ» vom 31. Januar 2015:
Man_rechne

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«Tages-Anzeiger» und «Sonntagszeitung» − Zwei für einen

Arthur Rutishauser soll ab dem kommenden Jahr nicht mehr nur der «Sonntagszeitung» als Schriftleiter vorstehen, sondern zusätzlich auch Res Strehle als Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» ablösen. Strehle, der dannzumal das Pensionsalter erreicht, wird dem «Tagi» mit einem reduzierten Pensum aber «als Publizist und Mentor» erhalten bleiben. Aus der Medienmitteilung:

«Die gemeinsame publizistische Leitung beider Redaktionen ist nicht zuletzt durch die zunehmende Bedeutung der digitalen Verbreitungskanäle bedingt und antwortet auf die veränderten Mediennutzungsgewohnheiten der Leserinnen und Leser. Immer mehr Leserinnen und Leser wollen sich während der gesamten Woche und rund um die Uhr auf einer Plattform informieren. Je digitaler die Nutzung wird, umso enger werden Tages-Anzeiger und SonntagsZeitung deshalb im Netz zusammenrücken.»

Bereits heute stammen die Inhalte aus den Bereichen Gesellschaft, Kultur, Sport und Wissen in «Tages-Anzeiger» und «Sonntagszeitung» aus fusionierten Ressorts. Neu soll auch die Auslandberichterstattung der beiden Blätter zusammengelegt werden.

«Die Kern-Ressorts in den Bereichen Schweiz, Wirtschaft, Recherche und Zürich bleiben aber weiterhin eigenständig und stehen für die eigene Identität der gedruckten Zeitungen»,

heisst es in der Medienmitteilung dazu.

Der Entscheid werde «keine Auswirkungen auf die Redaktionsstellen» haben, liess Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer gegenüber «persoenlich.com» verlauten.

Schaumermal.

Und noch eine kleine Anekdote aus der «Südostschweiz», wo Dennis Bühler folgendes zu vermelden weiss:

«Strehle bleibt dem ‹Tages-Anzeiger› trotz Ruhestand über 2016 hinaus erhalten – als Publizist und Mentor. Wortwörtlich sagte Tamedia-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino am Mittwoch bei der internen Orientierung der ‹Tagi›-Redaktion, ‹im Unterschied zu Schettino&rsaquo> gehe ‹Strehle nicht vorzeitig von Bord›. Worauf ein Raunen durch die anwesenden Redaktoren ging. Die meisten nämlich verstanden die Anspielung auf den Kapitän der 2012 gesunkenen ‹Costa Concordia› so, wie sie wohl nicht beabsichtigt, aber halt doch impliziert war: Sie glauben, sich nicht mehr auf einem Flagg-, sondern auf einem sinkenden Schiff zu befinden.»

Mehr dazu:

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Bitte mal herhören, NZZ-VR!

So geht das mit der Chefredaktoren- bzw. Chefredaktorinnenfindung bei einem richtigen Qualitätsblatt:

«It’s been 50 years since an outsider [...] was made editor [...]. The main reason for that inward focus is that the editor needs to know how to navigate the idiosyncratic culture of the newspaper [...]. The editor must act as part coach and part referee, for there are many brilliant minds, including some world-class experts in their fields; discussion is polite, but pointed. The paper’s no-bylines policy and tight editing give it an air of collegial unity, but also mean that the editor is, even more than at other old newspapers, the custodian of a long intellectual tradition and an established way of doing things. All this makes it highly unlikely that a complete newcomer could win the staff’s confidence.

And that confidence is essential to getting the job. While it’s the company’s directors — all but one of whom are also men — who interview the candidates and recommend one to the trustees, a quartet of eminences who act as guarantors of the editor’s independence, all [...] staff are encouraged to write in with their opinions on who should win. [...]

You might imagine the selection process for such a bastion of the [...] establishment to include some arcane rituals, perhaps involving gowns and Latin. You’d be disappointed. After [XY], the incumbent, announced that he was leaving to head up Bloomberg News, hopefuls were asked to write a short email to the current board chairman [...] to say they wished to run. [...]

What happened next, however, could have happened nowhere else. An all-staff email went out containing the full list of candidates, including the two of us employed elsewhere, without so much as a request to keep it confidential. I briefly panicked; at any other newspaper, such a list would most likely have been leaked to a media gossip columnist within minutes. Not so at [this paper]. It probably never even occurred to anyone to do such a thing.

We sent in memos; then there were interviews, held in the company boardroom on the 14th floor, a large and airy space compared with the warren of offices below it. Mine was the last interview but one. Soon we would learn who had been shortlisted for an interview by the full board. To celebrate our last moment as equals in rivalry, 12 of the candidates (the 13th wasn’t around) went for lunch in Chinatown [...].

The winnowing-down was brisk and efficient. That afternoon, as I hung around the office chatting to former colleagues, the emails started arriving from [the board chairman]. ‹As you know, we have had a large number of excellent applicants,› he wrote, ‹and a few of them have proved stronger candidates than you. I am sorry to disappoint you, but I hope you understand.›»

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Die «NZZ» sucht einen Chefredaktor … und eine Linie

Markus Spillmann ist nicht mehr Chefredaktor der «NZZ». Aus der Medienmitteilung:

«Die NZZ will ihre publizistische Leitung neu organisieren. In diesem Zusammenhang ist der Verwaltungsrat mit Markus Spillmann, NZZ-Chefredaktor und Leiter Publizistik im Geschäftsbereich NZZ, übereingekommen, dass Markus Spillmann auf Ende Jahr von seinen Funktionen zurücktreten wird. [...] Die bisher in Personalunion ausgeübten Funktionen NZZ-Chefredaktor und Leiter Publizistik sollen neu definiert und die publizistischen Prozesse entsprechend geordnet werden. Die Aufgaben sind auf mehrere Schultern zu verteilen, um den laufenden Transformationsprozess weiterhin erfolgreich und im geplant hohen Tempo voranzutreiben. Darüber waren Markus Spillmann und der Verwaltungsrat der NZZ-Mediengruppe, dem der Chefredaktor in publizistischen Belangen direkt unterstellt ist, seit längerem in Gesprächen.

Diese zielten darauf ab, die gegenwärtige Struktur neu zu gestalten, mit entsprechenden personellen Implikationen. Man war sich über die grundsätzliche Stossrichtung einig. Unterschiedliche Vorstellungen gab es in Bezug auf die konkrete Umsetzung. Ein Konsens konnte nicht gefunden werden, weshalb man sich nun darauf geeinigt hat, dass Markus Spillmann per Ende Jahr von seinen Funktionen zurücktritt.»

NZZ-VR-Präsident Etienne Jornod schob auch gleich noch einen «Nachruf» auf den geschassten Chefredaktor nach.

Das Spekulieren über Spillmanns Nachfolge und die künftige Linie der «NZZ» überlassen wir gerne anderen (ämel fasch) [wird vorerst laufend aktualisiert]:

(Sorry for the typo!)

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Newsexpress: Nachrichten vom Fliessband

Die Newsportale des Hauses Tamedia sollen künftig aus einem zentralen Topf mit Nachrichten beliefert werden. Unter der Bezeichnung «Newsexpress» werden ab Sommer 2015 ein Team aus der Deutschschweiz und eines aus der Romandie «alle Newsplattformen von Tamedia mit kurzen, digitalen News versorgen» (Medienmitteilung):

«Newsexpress wird als Servicezentrum insbesondere Breaking-News, kurze Agentur-Meldungen, Bildstrecken sowie Live-Ticker erstellen. [...] Die eigenständigen Redaktionen der Tageszeitungen schaffen anschliessend mit einer vertiefenden Berichterstattung leserspezifische Mehrwerte.»

Beaufsichtigt werden die beiden Newsbolzer-Werkhallen von Peter Wälty, stellvertretender Chefredaktor und Leiter Digitalentwicklung von «20 Minuten», in der Deutschschweiz, und von Philippe Favre, Chefredaktor von «20 minutes», in der Westschweiz.

«Nach einer erfolgreichen Lancierung von Newsexpress für die internen Kunden ist mittelfristig auch eine Zusammenarbeit mit externen Kunden angedacht»,

heisst es in der Medienmitteilung weiter.

Das kommt dem von Avenir Suisse propagierten «Private Content Provider» eigentlich schon recht nahe. Fragt sich nur, was diese Zentralisierung der Nachrichtenselektion für die Medienvielfalt bedeutet. Immerhin beherrscht Tamedia gemäss dem Jahrbuch «Qualität der Medien – Schweiz – Suisse – Svizzera» in der deutschsprachigen Schweiz 29,78 Prozent, in der Romandie gar 45,53 Prozent des Marktes für Informationsmedien.

Übrigens: Man lobt sich selbst ja nicht gerne (oder vielleicht doch?), aber bei «NZZ Online» hatten wir Ähnliches bereits Ende des vergangenen Jahrtausends angedacht, inkl. Niederlassung an der US-Westküste. Aber eben: Ideas are cheap, implementation is hard.

Siehe dazu auch:
- Interview mit Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer: Im Sommer 2015 fährt der Newsexpress ein («persoenlich.com»)

von Martin Hitz | Bemerkungen (0)