Stellenabbau bei den Regionalen

Nicht 10-15 Stellen, wie es das Regionalportal «GRHeute» vermeldet hatte, sondern knapp 500 Stellenprozente will die Somedia AG, Herausgeberin von «Südostschweiz», «Bünder Tagblatt» und anderen Medienprodukten, abbauen − jedenfalls wenn es nach Andrea Masüger geht. «Bei einer Gesamtzahl von rund tausend Mitarbeitern sei dies wenig», wird der Somedia-CEO von «persoenlich.com» zitiert.

Rund 450 Stellenprozente sollen auch bei den Tamedia-Blättern «Thuner Tagblatt» und «Berner Oberländer» wegfallen. Begründet wird die Sparmassnahme mit der Zusammenlegung der beiden Redaktionen und mit «wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die teilweise aus dem Auflagenrückgang hervorgehen», weiss die Gewerkschaft Syndicom (via «persoenlich.com») zu berichten.

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«[Dis-]Organigramm Redaktion Tages-Anzeiger/SonntagsZeitung/Magazin ab 1.1.2016»

Man kann die Sitzungen, die zu diesem Organigramm geführt haben, schon fast riechen (zum Vergrössern Bild anklicken):
Tagi-Soz-Organigramm
Quelle: Muckraker Stadler

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Seid umschlungen Schweizer (Privat-)Medien

Die SRG will (noch mehr) mit den Schweizer Privatmedien kooperieren. In einem Gastartikel − nicht im «Blick» (too fishy) und nicht im «Tages-Anzeiger» (no surprise), sondern in der «NZZ» (weshalb eigentlich?) − unterbreitet Generaldirektor Roger de Weck den Schweizer Verlegern deshalb ein Angebot zur Zusammenarbeit oder genauer: «elf konkrete Vorschläge» bzw. «Kooperationsmodelle im Journalismus und in der Technologie».

So sollen die privaten Medienhäuser unter anderem etwa auf aktuelle Videobeiträge der öffentlich-rechtlichen Anstalt zugreifen können und diese auch in eigenen Playern abspielen dürfen, wobei ein Teil der mit den Bewegtbildern erzielten Werbeeinnahmen an die SRG ginge. Inhalte von Privatsendern sollen zudem auch im Web-Player der SRG verbreitet werden und so von dessen Reichweite profitieren. Ferner will die SRG die Privaten in einigen Sportarten an den von ihr erworbenen Übertragungsrechten partizipieren lassen, Regionalradios unter Quellenangabe und «gegen ein sehr erschwingliches Entgelt» ihre Nachrichtenbulletins zur Verfügung stellen, zusammen mit der privaten Konkurrenz auf Youtube einen mehrsprachigen «Swiss Channel» betreiben oder ihre Ausbildungsangebote «systematisch für Kollegen privater Medien» öffnen. Im Übrigen sei − last but not least − auch die Technologie-Tochtergesellschaft SwissTXT für Kooperationen mit dem privaten Sektor offen.

Ringier ist über die angekündigte Werbeplatzvermarktungsallianz ja bereits eingebunden, nun will die SRG also auch noch die anderen privaten Medienhäuser umgarnen, dürften böse Zungen behaupten. Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbands Schweizer Tamedien, ist jedenfalls not amused, wie er in der − zufälligerweise von Tamedia herausgegebenen − «Sonntagszeitung» zu verstehen gab.

Die Schweizer Medien können nur durch vernünftige Zusammenarbeit gegen die globalen Digital-Giganten bestehen, meinen hingegen SRG-Generaldirektor Roger de Weck und mit ihm etwa auch die Eidgenössische Medienkommission (PDF).

Und «NZZ»-Medienredaktor Rainer Stadler kommentiert unter dem Titel «Die SRG zeigt sich als sanfter Riese»:

«Der liberal Denkende runzelt allerdings die Stirn. Die SRG plant bereits eine Werbeallianz mit Ringier und Swisscom; nun will sie mit ihren Kooperationsangeboten noch stärker im Maschinenraum des Schweizer Mediensystems mitmischen. Wenn sie – wie vorgeschlagen – Videos mit Privaten teilt, Übertragungsrechte an Sportveranstaltungen gemeinsam auswertet, die technische Infrastruktur für Online-Publizistik zur Verfügung stellt, wenn sie ihre Kanäle für die Produktionen der Privaten öffnet und einen gesamtschweizerischen Youtube-Kanal für alle betreibt, dann dringt der nationale Rundfunk zusehends in alle Bereiche der Privatwirtschaft ein. In der Folge liefe bald nichts mehr, wenn die SRG stillstünde oder wenn sie – aus welchen Gründen auch immer – auf den roten Knopf drücken würde.»

S. dazu auch:
- Wie geht’s eigentlich der Media Schweiz AG?
- Die Schweizer Verleger am Tropf des Staates
- VSP: Immer für einen Kuhhandel gut?

Update:
- Mit dem Rücken zur Wand in den Vorwärtsgang (Nick Lüthi, «Medienwoche»)
- Gefährliche Lockrufe an die krisengeschwächten Verleger (Ronnie Grob, «Medienwoche»)

Update, 12. Januar 2016:
- Private Medien reagieren zurückhaltend (Rainer Stadler, «NZZ»)

Update, 12. Januar 2016:
«Hinterhalt hat bei der SRG System», sagt Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbands Schweizer Tamedien, in seinem Referat an der Dreikönigstagung.

Update, 14. Januar 2016:
- SRG ist «systematisch hinterhältig» (Claudia Blumer, «Tages-Anzeiger»)

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Geballte Ladung Native-Advertising bei Tamedia

Seit gestern Sonntag soll den Tamedia-Bättern «Sonntagszeitung» und «Le Matin Dimanche» einmal im Monat das Magazin «Red Bulletin» beigelegt werden. So weit, so belanglos. Offenbar aber nicht belanglos genug, um die «Geschäftspartnerschaft» nicht in einer Pressemitteilung anzukündigen. Beim «Active-Lifestylemagazin» des Gummibärlidrinkproduzenten Red Bull handelt es sich aber schliesslich auch nicht um eine simple Werbebeilage − zumindest wenn es nach der Medienmitteilung geht:

«The Red Bulletin ist kein Werbeprodukt von Red Bull, sondern eine redaktionelle Zeitschrift, deren Inhalt die Welt von Red Bull präsentiert.»

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Nachgeholt

«Schweizer Journalist»: Kurt W. Zimmermann übernimmt von Markus Wiegand

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Tamedia: Kommt der Content for People bei «Tages-Anzeiger», «Sonntagszeitung» und «Magazin» demnächst vom Fliessband?

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«Watson»: Sparmassnahmen

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«Blick»-Gruppe: Und noch einmal versucht es Ringier mit einem deutschen Import

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Romandie: Zusammenarbeit von «Liberté», «L’Express», «L’Impartial», «Le Nouvelliste» und «La Côte»

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«Basellandschaftliche Zeitung»: Back to the roots für David Sieber

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Jahrbuch «Qualität der Medien 2015»

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SRF: So viel kostet Ihre Lieblingssendung − Und jetzt?

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SRG: Abbau von 250 Stellen angekündigt

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Print der «New York Times» wird «ausgelagert»

Bei der «New York Times» wird «disintegriert» und «divergiert» − zumindest äs bitzeli. Aus einem internen Memo von Chefredaktor Dean Baquet:

«[...] we have to address the fact that our workday is still focused on the end-of-day deadlines we’ve always had. So we are going to change that flow. Instead of doing digital at the same time as print, then essentially having the newsroom as a whole turn to the print deadlines, we’re going to publish things when they are ready and focus our print work in a new way.

To make that possible, we are moving most print production responsibilities away from individual desks and placing them in the hands of a centralized group of editors. [...]. This will allow our individual news departments to focus on producing our news, analysis and features, as they do now, but without having to worry about the print deadlines and the layout of the printed pages right from the start of the day.»

Siehe dazu auch:
- Lebenslüge Konvergenz?
- «Disruption can make really smart people look very dumb»

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Adlernase irrt

Von Edgar Schuler

Auch Medienkritiker haben schlechte Tage. Manchmal ist auch nur ihr Timing schlecht. Bei Eiland Rarster, dem preisgekrönten Medienredaktor mit der markanten Nase, traf für einmal beides gleichzeitig zu.

Er schrieb: «Die laute Berichterstattung über die Flüchtlinge ist verstummt.» Und er gab sich «irritiert» über den «Stimmungswechsel» in den Medien. Vor kurzem hätten sie das Flüchtlingsthema noch auf «Alarmstufe 1 verkauft». Jetzt aber würden sie ihm «allenfalls noch Kurzmeldungen» widmen. Sein Fazit: «Das bestärkt den Verdacht, dass wir nur unzuverlässig und willkürlich über das informiert werden, was ist.»
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Die «NZZ» bald nur noch am Wochenende auf Papier?

Wenn sich nun selbst die Herren Giacobbo und Müller aus der Sommerpause zurückmelden, gibt es wohl auch für den Medienspiegler keine Ausrede mehr. Aber wie nur soll man nach einem längeren Unterbruch wieder mit Bloggen loslegen? Mit einem kleinen Rant vielleicht? Einer netten Verschwörungstheorie? Genau! Also los geht’s:

Zum bereits sechsten Mal lag heute die in ein neues Kleid gehüllte Freitagsausgabe der «NZZ» vor der Türe bzw. auf dem Tablet. «[N]och meinungsstärker und lesefreundlicher» soll das Blatt laut Medienmitteilung seit der Auffrischung ja nun sein. Und:

«Die heute neu lancierte ‹Neue Zürcher Zeitung› entspricht den veränderten Lesebedürfnissen. Diese haben die Projektverantwortlichen in umfangreichen Leserbefragungen erhoben. Während sich beispielsweise die Leserinnen und Leser wochentags eine überschaubare Zeitung wünschen, nimmt die Lesezeit aufs Wochenende hin deutlich zu. Deshalb erscheint die ‹Neue Zürcher Zeitung› am Freitag neu mit einem umfassenden Extra-Bund.»

Das kommt ja alles recht hübsch und aufgeräumt daher. Auch gegen die werktägliche (Freitag ist an der Falkenstrasse ja offenbar bereits Wochenende) Vier-Bund-Struktur ist nicht viel einzuwenden, selbst wenn die eine oder andere «Gastmeinung» vielleicht auch «online-only» gut genug aufgehoben wäre.

Aber welcher Teufel muss die NZZ-Verantwortlichen geritten haben, als sie sich dafür entschieden, am Freitag nahezu sämtliche Themenbeilagen − SOGAR DAS KREUZWORTRÄTSEL!!!! − in einen fünften Bund zu würgen? Ein Bund, der heute zum Beispiel aus sage und schreibe 19 redaktionellen Seiten besteht, namentlich aus

- 4 Seiten «Wochenende»
- 3 Seiten «Gesellschaft»
- 4 Seiten «Forschung und Technik»
- 1 Seite «Spiele» (INKL. KREUZWORTRÄTSEL)
- 1 Seite «Freitag» (Lifestyle)
- 2 Seiten «Mobil und Digital»
- 4 Seiten «Reisen»

Und das an einem Freitag!

Natürlich dürfte diese Beilagenmassierung auch damit zu tun haben, dass man die «NZZ am Sonntag» nicht allzu sehr kannibalisieren wollte und sich deshalb zum Einhalten eines gewissen zeitlichen Abstands gezwungen sah. Zumindest bei Yours Truly führt das neue Konzept jedoch dazu, dass er vor lauter Themenseiten kaum mehr etwas wirklich liest: Man nimmt sich die Beilagen für später vor … und schon kommt der Samstag mit der «schweizweit einzigartigen Medienseite» (Medienmitteilung) sowie der «Literatur und Kunst»-Beilage (die man sich immer zu lesen vornimmt, aber es dann doch nur selten tut). Und plötzlich ist Sonntag. Der geneigte Beobachter könnte sich da mit der Zeit schon fragen, ob er auf die Ausgaben von Montag bis Donnerstag verzichten und die «NZZ» nur noch am Freitag und Samstag abonnieren soll.

Ist das am Ende möglicherweise gar alles beabsichtigt − gleichsam als weiteres Mosaiksteinchen zur Erfüllung der Self-fulfilling-Prophecy vom Untergang der Zeitung auf Papier? Vielleicht nur noch freitags und samstags eine gedruckte «NZZ» und von Montag bis Donnerstag allenfalls noch eine zeitungsähnliche Tablet-Version (aka E-Paper) − also ein in sich abgeschlossenes, digitales Produkt mit Anfang und Ende? Und könnte am Schluss der Strategie gar ein gedrucktes Wochenmagazin stehen? Die Einsparungen für Papier, Druckerschwärze und Transport wären jedenfalls erheblich. Der Ausfall von Werbeeinnahmen vermutlich auch.

Man darf ja mal fragen.

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Päuschen

Wenn’s selbst die 90-jährige Mutter (neu mit iPad) merkt: Ja, der Blogwart des Medienspiegels legt eine Art Sabbatical ein (gilt nicht für Twitter) − wohlverdient, wie ich meine. Nach dem Sommer geht’s (hoffentlich) weiter.

Die «Mediensatz»-Kolumnisten werden derweil (wiederum hoffentlich) unermüdlich weiterwirken.

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NZZ-GV: Viel Lärm … und alles bleibt beim alten

Etienne Jornod bleibt Verwaltungsratspräsident der AG für die Neue Zürcher Zeitung und muss sich − entgegen dem Wunsch der «Freunde der NZZ» − wie seine anderen VR-Kolleginnen und Kollegen weiterhin nur alle vier Jahre einer Wiederwahl stellen − ungeachtet des Somm-Debakels und trotz Schliessung der Druckerei in Schlieren. Dies das Ergebnis der offenbar recht lebhaften NZZ-Generalversammlung vom vergangenen Samstag.

Ohne Wirkung blieb übrigens auch das von ehemaligen «NZZ»-Mitarbeitern verfasste Flugblatt (PDF), das die Aktionäre zur Abwahl der Führung des Unternehmens aufforderte:

«Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

Nehmen Sie Ihre Verantwortung als Besitzerinnen und Besitzer der NZZ wahr. Verwaltungsrat und Unternehmensleitung verdienen Ihr Vertrauen nicht mehr. Diese Organe haben das einstige Flaggschiff der Schweizer Presse in eine Krise geführt, es der Lächerlichkeit preisgegeben und unverantwortbaren Risiken ausgesetzt . Verweigern Sie den beiden Führungsgremien die Entlastung, verhindern Sie die Wiederwahl des VR-Präsidenten, fordern Sie eine ausserordentliche GV und beauftragen Sie einen neuen Verwaltungsrat, dem CEO für dessen Verdienste zu danken und ihm eine politische Laufbahn in seiner Heimat zu ermöglichen. Die NZZ kann sich eine solche Führung nicht länger erlauben. »

Auch die kritischen Voten der «NZZ»-Urgesteine Reinhard Meier und Max Frenkel vermochten am Status quo nichts zu ändern:

Alles bleibt, wie es ist.

Siehe dazu auch:

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